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Boden des Jahres 2010 - Die Stadtböden

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International werden Stadtböden als Technosole (WRB) bezeichnet...

 

 

Was sind Stadtböden?
Stadtböden sind ebenso wie die Böden auf Äckern, Wiesen und in Wäldern Teil der Bodendecke, der dünnen und empfindlichen Haut unserer Erde. Unter dem Begriff Stadtböden werden die vielfältigen Böden städtisch-industrieller Räume zusammengefasst. Die Faktoren, die zu ihrer Entstehung beigetragen haben wie Ausgangsgestein, Relief, Klima, Wasserführung, Flora und Fauna, sind hier durch den Menschen sehr stark beeinflusst worden; so stark, dass sich Stadtböden von denen des Umlandes erheblich unterscheiden Nutzungen wie Gewerbe, Industrie, Straßen, Wohnen, Gärten, Grünanlagen oder Brache beeinflussen die Stadtbodenent-wicklung in sehr charakteristischer Weise: Böden in Gärten und Parkanlagen zeigen oft einen naturähnlichen Aufbau mit einem Humushorizont an der Oberfläche,  dagegen sind Böden unter Straßen technisch stark verändert und durch eine Fahrbahndecke oben versiegelt. Dieses Mosaik aus Böden mit natürlicher Entwicklung, solchen aus umgelagerten Bestandteilen und welchen aus Bau- oder Trümmerschutt, Müll, Schlacken und Schlämmen ist typisch für Stadtlandschaften.


Städte haben vielfältige Böden
Stadtböden erfüllen sehr viele Funktionen. Die meisten sind nicht auf den ersten Blick erkennbar. Am stärksten nehmen Stadtbewohner Böden wohl in Parks, Gärten und auf Grünflächen wahr. Doch hier sind Böden nicht nur Grundlage für Freizeitgestaltung und Erholung, sondern auch Lebensgrundlage für Tiere und Pflanzen. Zudem sorgen sie zusammen mit den Pflanzen für ein ausgeglichenes Stadtklima - im Sommer wie im Winter. Sie sind die grünen Lungen der Städte. Ohne Böden gäbe es sie nicht!
Die Böden der Städte und Randbereiche sind mit ihren teilweise extremen Eigenschaften oft artenreiche Lebensräume. Vielfach sind sie sogar Rückzugsräume für seltene Tier- und Pflanzenarten.
Die wichtigste Funktion von Stadtböden: sie sind Baugrund für Wohnhäuser, Kirchen, Kaufhäuser, Schulen, Theater und vieles mehr. Zwischen diesen Gebäuden tragen Böden unsere Straßen, Plätze, Sportstätten genauso wie Friedhöfe, Bahngleise und Kleingärten. Unzählige Ver- und Entsorgungsstränge durchziehen die Böden unserer Städte und sichern unser tägliches Leben. Dort, wo Böden nicht versiegelt, d.h. bebaut oder asphaltiert sind, kann Niederschlagswasser versickern. Böden tragen damit aktiv zur Entlastung der Kanalnetze und zum Hochwasserschutz bei. Gleichzeitig liefern sie durch ihre Filterwirkung sauberes Grund- und Trinkwasser. Zusammen mit den Pflanzen sorgen Stadtböden für frische Luft in den Städten indem sie gesundheitsschädliche Feinstäube herausfiltern und dauerhaft  binden.


Stadtböden sind Zeugen der Geschichte
Ein Stadtboden kann spannende Geschichten erzählen. Jede Epoche der Siedlungsgeschichte hinterlässt ihre Spuren. So können Stadtböden tausend Jahre alten Bauschutt oder Reste mittelalterlicher Stadtbrände enthalten. In vielen städtischen Böden ist auch Trümmerschutt der zwei Weltkriege zu finden. Bombenfunde sind nicht selten. Begrabene Siedlungsstrukturen, alter Müll sowie uralte Grabstätten sind Zeugnisse aus oft weit zurückliegenden Zeiten. Sie geben Siedlungsforschern und Archäologen Rückschlüsse auf das Leben unserer Vorfahren. Auch Gewerbe, Bergbau und Industrie hinterlassen ihre Spuren in den Böden. In Zeiten ungeregelter Abfallentsorgung wurden manche Böden so stark belastet, dass ihre Filter- und Ausgleichsfunktionen versagten. Diese Flächen müssen heute aufwendig saniert werden.


Probleme der Stadtböden
Zentrales Problem beim Bodenschutz in Deutschland ist der Flachenverbrauch. Etwa zwölf Prozent der Böden sind bebaut und asphaltiert. Damit ist ihre Oberfläche versiegelt und sie können ihre  lebenswichtigen Funktionen wie Wasseraufnahme und Schadstofffilterung nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr erfüllen. Pflanzen und Tiere finden hier keinen geeigneten Lebensraum mehr.
Daher muss das Nachhaltigkeitsziel der Bundesregierung, die Flächeninanspruchnahme bis zum Jahr 2020 auf nur noch 30 ha pro Tag zu senken, unbedingt umgesetzt werden. Gleichzeitig sollten viele nicht mehr benötigte bebaute Flächen wieder entsiegelt werden.


Stadtböden können erlebt werden
Die Möglichkeiten, Böden in Städten selbst zu erkunden und zu erleben, sind vielfältig. Sie sind überall anzutreffen: auf Spielplätzen, in Schulgärten, Parks, Kleingartenanlagen, Botanischen Gärten und  Zoologischen Gärten; aber auch auf Fahrradwegen am Stadtrand, auf Brachflächen und an Baugruben. Seien Sie neugierig und schärfen Sie Ihren Blick. Es lohnt sich. Stadtböden haben viel zu erzählen.