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Boden des Jahres 2013 - Der Plaggenesch

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Anlässlich des Weltbodentages, der in jedem Jahr am 5. Dezember begangen wird, wurde in diesem Jahr der Boden des Jahres 2013, der Plaggenesch, durch das Kuratorium Boden des Jahres vorgestellt.

Die vom Umweltbundesamt geförderte Festveranstaltung fand in der Landesvertretung Niedersachsens statt und stand unter Schirmherrschaft des niedersächsischen Ministerpräsidenten, David McAllister. In den Festvorträgen wurde über die Besonderheiten dieses Bodens in Hinblick auf seine Entstehung, Verbreitung und Nutzung informiert. Besonderes Augenmerk wurde dabei auf die Archivfunktion des Bodens gerichtet. Zahlreiche bedeutende archäologische Funde sind in diesen Böden über Jahrhunderte hinweg erhalten geblieben.

Die Plaggenwirtschaft, deren Anfänge etwa bis zum Jahr 1000 n. Chr. zurück reichen und die einerseits zu den Plaggeneschen mit höherer Bodenfruchtbarkeit und besseren Ernteerträgen aber andererseits auch zu Entnahmeflächen mit starker Verarmung an Humus und Nährstoffen führte, ist ein eindrucksvolles Zeugnis dafür, dass der Mensch bereits frühzeitig mit der Umgestaltung von Böden begonnen hat. Die Verantwortung die sich daraus für die Erhaltung und den Schutz der Böden ergibt, bildete die Überleitung zu den heutigen Problemen im Umgang mit Boden und Bodensubstraten, die im Fachsymposium der Aktionsplattform Boden unter juristischen, ökonomischen und ökologischen Aspekten diskutiert wurden.

Esch“ ist ein sehr alter Begriff und bedeutet in etwa „Saatfeld der Dorfmarkung“. Der Plaggenesch ist ein Boden, der durch eine spezielle Bewirtschaftung entstanden ist. Die „Plaggenwirtschaft“ wurde seit etwa 1000 n. Chr. praktiziert. Auslöser war die fortschreitende Verarmung der Böden an Nährstoffen, der zunehmende Bevölkerungsdruck im Mittelalter und der damit verbundene höhere Bedarf an Nahrungsmitteln. Dies hatte zur Folge, dass auch die ertragsschwachen Böden beackert wurden.

Plaggen wurden aus dem oberen durchwurzelten Bereich des Bodens zusammen mit Teilen der Vegetation (Grassoden, Heide) entnommen. Sie wurden als Einstreu im Stall genutzt und später, angereichert mit dem Dung der Tiere, als Dünger auf die Äcker aufgebracht. Durch den jahrhundertelangen Auftrag von organischer Substanz ist ein stark humoser, nährstoffreicher Boden entstanden, der bis heute einen guten Ackerstandort bietet.

Der Plaggenesch ist auf der Geest in Nordwestdeutschland bis in die Niederlande verbreitet. Der Schwerpunkt liegt in der Region Oldenburg, Ostfriesland und dem Emsland. Mit Einführung der Mineraldüngung im 20. Jahrhundert wurde die Plaggenwirtschaft aufgegeben.

Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in seiner Funktion als Geologischer Dienst von Niedersachsen stellt zu diesem Anlass den Plaggenesch in den Mittelpunkt einer neuen Wanderausstellung, die in der Landesvertretung erstmalig präsentiert wurde.

Weitere Informationen zur Wanderausstellung und den dazugehörigen Flyer erhalten Sie im Internetangebot des LBEG.

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 04. Februar 2013 um 14:24 Uhr