Boden des Jahres 2007 - Der Podsol

Sonntag, den 05. April 2009 um 17:11 Uhr Administrator
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Seinen Namen hat der Podsol aus dem Russischen, er kann mit ‚aschefarbener Boden’ übersetzt werden. Unter der Rohhumusauflage und einem meist dünnen Humushorizont folgt der gebleichte, violettstichighellgraue Horizont, der namensgebend ist.
Humus und Eisen sind hier ausgewaschen. Im darunter liegenden Bereich lagern sie sich mit braunschwarzer und rotbrauner Färbung wieder an. Oft ist dieser Horizont so fest, dass man von „Ortstein“ spricht. Markant kann die Ortsteinschicht zapfenförmig z.B. entlang von Wurzeltöpfen nach unten ausbuchten, oft begleitet durch braunschwarze bis rostbraune Bänder im Untergrund.
Wie entstehen Podsole?
Podsole entwickeln sich auf Standorten mit nährstoffarmen Ausgangsgesteinen (Sandstein, Granit, Flugsand, usw.), bei hohen Niederschlägen, hoher relativer Luftfeuchtigkeit und verhältnismäßig geringer Jahresmitteltemperatur. Die Podsolierung ist stets mit erheblicher Versauerung verbunden. So werden die Streurückstände auf Heide- oder Nadelwaldstandorten von den Mikroorganismen nur schwer abgebaut, was zu mächtigen Humusauflagen führt. Hieraus werden organische Säuren freigesetzt, die sich mit Eisen und Aluminium der verwitterten Minerale zu wasserlöslichen Stoffen verbinden, die in den Unterboden ausgewaschen werden. Dort werden sie unter geänderten chemischen Bedingungen wieder ausgefällt - es entsteht die typische Horizontabfolge der Podsole. Durch Wiederaufforstung ehemaliger PodzolEichen-Birkenwälder mit Kiefern und durch die Verbreitung der Heidevegetation als Folge der mittelalterlichen Plaggenwirtschaft begünstigte der Mensch die Podsolierung.

Wo kommen Podsole vor?
Ihre Verbreitung reicht in Deutschland von der Küste über das humide Bergland bis in die Alpen, sogar bis oberhalb der Waldgrenze von 2.200 m. Auf den Dünen und Flugsanddecken des norddeutschen Tieflandes (Emsland, Oldenburger Geest, Lüneburger Heide, westliches Schleswig-Holstein, Brandenburg) finden sich unter Nadelwald und Besenheide Eisenhumuspodsole. Auf silikatreichen Schmelzwassersanden unter Nadelwald sind Eisenpodsole entwickelt. An Standorten mit Grundwasseranschluss bildeten sich unter Glockenheide Humuspodsole. Im Bergland haben sich Podsole auf Granit und Gneis (Harz, Fichtelgebirge, Erzgebirge, Südschwarzwald, Bayerischer Wald), auf Buntsandstein (Nordschwarzwald, Solling), auf Kreide-Sandstein (Teutoburger Wald), auf Keupersandsteinen (Süddeutschland) oder auf Quarzit (Rheinisches Schiefergebirge) entwickelt. Außerhalb Deutschlands kommen Podsole vor allem in Skandinavien bis hin zu den subpolaren Zonen vor, wo sie die am meisten verbreiteten Böden sind.

Welche Funktionen erfüllen Podsole für Mensch und Umwelt?
Podsole erfüllen als Lebensraum für Menschen, Pflanzen und Tiere allgemeine Bodenfunktionen. Sie sind von Natur aus Standorte für weniger anspruchsvolle Pflanzen. Podsole besitzen meist nur ein geringes Wasserspeichervermögen, tragen aber aufgrund guter Durchlässigkeit zu einer relativ hohen Grundwasserneubildung bei und sind daher für den Landschaftswasserhaushalt bedeutend. Viele Trinkwassergewinnungsgebiete sind Podsol-Standorte. Podsole sind auch bedeutsam in ihrer Funktion als Archive der Natur- und Kulturgeschichte, da sie wichtige Informationen zur Entwicklung von Landschaft, Siedlungsstruktur und Kulturtechnik liefern.

Wie werden Podsolböden genutzt?
In der nordwestdeutschen Tiefebene waren Podsole als trockene und leicht zu bearbeitende Böden vormittelalterlich begehrte Siedlungsstandorte und wurden für den Roggenanbau bevorzugt. Im Mittelalter waren Podsole mit Heidevegetation Schafhuden, Bienenweiden und Plaggenentnahmegebiete. Zusammen mit den Plaggeneschen prägen sie örtlich bis heute das Landschaftsbild. Mit Einführung der Mineraldüngung im 19.Jh. wandelte sich die Nutzung hin zum Ackerland. Nach kulturtechnischen Maßnahmen wie dem Brechen der Ortsteinschicht und großflächiger Beregnung können auf Podsolböden trotz geringer Bodenzahlen gute Erträge erzielt werden. Verbunden ist dies jedoch mit erheblichen Risiken der Grundwasserbelastung durch Nährstoff- und Pestizidaustrag.
Im Bergland steht auf den Podsolstandorten die forstliche Nutzung im Vordergrund. Für die waldbauliche Eignung sind insbesondere der Grad der Versauerung sowie die Tiefenlage und die Härte der Ortsteinschicht entscheidend.

Welche Gefährdung besteht für diese Böden?
Podsole sind vorwiegend sandige Böden. Wo sie ackerbaulich genutzt werden und nicht das  ganze Jahr über eine Vegetationsdecke tragen, sind sie durch Winderosion gefährdet. Messungen der Bodenumlagerung haben ergeben, dass in Niedersachsen je nach Windstärke bei einem Erosionsereignis bis zu 172 t/ha an Sand und Humus verlagert wurden. Leider werden in der Nordwestdeutschen Tiefebene Podsolstandorte regional großflächig durch Tiefpflügen in Ackerland umgewandelt und damit ihre natürlichen Eigenschaften und Funktionen grundlegend verändert.
Zuletzt aktualisiert am Montag, den 06. Dezember 2010 um 12:04 Uhr