Boden des Jahres 2006 – Die Fahlerde

Sonntag, den 05. April 2009 um 17:12 Uhr Administrator
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Am Weltbodentag 2005 wurde der Boden des Jahres 2006 – die Fahlerde – ausgerufen. Die Festveranstaltung fand in der Landesvertretung Mecklenburg – Vorpommern in Berlin statt.

Der Vorschlagwar von Bodenkundlern und Geographen der Universität Greifswald eingereicht und vom Kuratorium Boden des Jahres der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft (DBG) und des Bundesverbandes Boden (BVB) zum Sieger gekürt worden.Sie verbirgt sich. Man muss den Boden öffnen, um ihre inneren Werte erfassen zu können. Sie ist blass. Der Name drückt das aus. Und die fahle, blasse Farbe greift zapfenförmig in die Tiefe des Bodens ein.

Die Fahlerde ist ein Kind der letzten Eiszeit und daher in Landschaften zu finden, über die einst mächtige Gletscher hinweg gezogen. Das sind hierzulande Gebiete Schleswig-Holsteins, Niedersachsens, Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs. Dort befindet sich die Fahlerde unter Wäldern und Äckern?
Die Eiszeiten haben das Material, aus denen die Fahlerde entstanden ist, her gebracht. Das sind die Moränen, die Grundmoränen im Wesentlichen, die aus lehmigen Materialien zusammengesetzt sind, in denen auch Kalke enthalten sind. Diese Kalke wurden nach der Eiszeit aus den Böden ausgewaschen und es entstehen dann zunächst so genannte Parabraunerden, die sich dadurch auszeichnen, dass Ton in ihnen ausgewaschen nach unten hinein gewaschen wird. Wenn diese Parabraunerden mit der Zeit zunehmend versauern entsteht die Fahlerde.
Die Fahlerde wird von Landwirten geschätzt. Vor allem dort, wo ansonsten viele Sandböden vorkommen. Mit der fruchtbaren Schwarzerde kann die Fahlerde allerdings nicht mithalten. Trotzdem sichert ihr Nährstoffgehalt gute Erträge bei Winterweizen, Wintergerste und Raps. Auch dank ihrer Wasserspeicherfähigkeit. Bodenkundler Jan Siemens von der Technischen Universität Berlin.
Die Fahlerde zeichnet sich dadurch aus, dass sie im Untergrund einen Horizont hat, der mehr Ton enthält und dadurch Wasser an dem schnellen Versickern hindert, was sie eben auch für die landwirtschaftliche Produktion und auch für die forstwirtschaftliche Nutzung im Vergleich zu diesen durchgehend sandigen Böden wertvoll macht.
Nun rückt auch die Fahlerde ins Zentrum des Bodenschutzes. Denn jährlich verschwinden weltweit 4,5 Millionen Hektar Boden durch Erosion, Versalzung oder Versiegelung. Das entspricht einer landwirtschaftlichen Nutzfläche, die Deutschland ein ganzes Jahr mit Weizen versorgen könnte. Auch hierzulande verschwindet Boden - darunter Fahlerden - Martin Kaupenjohann.
Die Fahlerde ist, wenn sie unter landwirtschaftlicher Nutzung ist, durch Erosion auch bei uns gefährdet. Sie enthält relativ feine Partikelchen, die durch Oberflächenwasser abgespült werden. Das führt zu dem Erosionsprozess. Das ist gerade in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern auf landwirtschaftlichen Böden ein großes Problem.
Ein Problem ist auch, dass Böden tagtäglich großen Schadstofffrachten ausgesetzt sind. Durch Abgase aus der Luft, aber auch durch Wirtschaftsdünger, sprich Gülle. Bisher haben die Berliner Bodenkundler angenommen, dass viele dieser Schadstoffe wie Phosphate, Blei oder auch Rückstände aus Tierarzneimitteln im Boden zurückgehalten werden. Doch durch die Erforschung von Fahlerde haben sie ganz neue Erkenntnisse gewonnen. Jan Siemens.
Ein Prozess, der charakteristisch ist für die Fahlerde, ist die Verlagerung von Tonpartikelchen. Und dieser Prozess ist auch in neuerer Zeit in der Forschung mehr entdeckt worden für die Filterleistung von Böden. Unsere Vorstellung ist, dass Schadstoffe, die normalerweise sehr fest an Tonpartikelchen im Boden gebunden werden und dadurch vom Boden zurückgehalten werden von der weiteren Verbreitung in der Landschaft zusammen mit diesen Tonpartikelchen auf die Reise durch den Boden gehen können, in größere Bodentiefen transportiert werden.
Dort können diese Schadstoffe - wieder gelöst - ins Grundwasser gelangen. Deshalb warnen die Berliner Forscher davor, die Filterleistung von Böden zu überschätzen. Denn nicht alle können in gleicher Intensität Schadstoffe zurückhalten und abbauen.

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 04. Mai 2010 um 11:12 Uhr